Veröffentlicht am 11.07.2025

Zukunft braucht Gründerinnen: Warum Vielfalt entscheidet

Ich bin in Sorge. Zum ersten Mal seit Jahren sinkt der Gründerinnenanteil im deutschen Startup-Ökosystem. Das belegt der aktuelle Female Founders Monitor 2025. Während die Zahlen in den vergangenen fünf Jahren stetig nach oben gingen, ist der Anteil weiblicher Startup-Gründerinnen nun auf 18,8 Prozent gefallen. 2023 lag er noch bei 20,7 Prozent. 2022 bei 20,3 Prozent. Das ist mehr als ein statistischer Rückschritt. Es ist ein Signal.

Die Untersuchung nennt als Hauptursache die Zurückhaltung im privaten Konsum. Diese treffe vor allem die Business-to-Consumer-Geschäftsmodelle, in denen Frauen stärker vertreten sind – insbesondere in den Bereichen Food und Fashion.

Lesen Sie in diesem Artikel:

  • Was Vielfalt für die Wirtschaft bedeutet
  • Die Hintergründe der Teilzeitarbeit
  • Initiativen für den Mittelstand
  • Bewerbung Startup-Award 2025

Sichtbarkeit statt Stillstand

Genau deshalb empfinde ich das Engagement rund um den BVMW Unternehmerinnen Award 2025 Oberfranken wichtiger denn je. Seit der Award 2019 ins Leben gerufen wurde, unterstütze ich ihn aus voller Überzeugung als Patin und Sponsorin der Kategorie „Startup-Unternehmerin des Jahres“.

Es geht um Austausch und Inspiration, aber vor allem um mehr Sichtbarkeit und Reichweite. Denn: Was man nicht sieht, kann man nicht fördern. Ich möchte, dass weibliche Leistungen nicht nur anerkannt, sondern auch ins Rampenlicht gerückt werden – damit andere Frauen den Mut finden, ähnliche Wege zu gehen.

v.l. Bettina Angerer, Verbandsbeauftragte BVMW Oberfranken; Toni Appel, Schreinerei Appel (Erschaffer des Startup Awards 2023); die drei Startup-Nominierten 2023: Meltem Alca (ASKMI GmbH), Miriam Martín González (Myriad UG), Mathias Küchler als Vertretung von Dipl.-Ing. Aline Schollbach (Wevosys medical technology GmbH); Annette Wodzak-Littig, Inhaberin Wodzak.Littig Personalberatung; Kerstin Rank, Geschäftsführerin B2L GmbH & Co. KG (Startup-Preisträgerin 2019 und Laudatorin 2023) ©BVMW Oberfranken

Vielfalt ist kein Trend, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit

Als Personalberatung erleben wir täglich, wie entscheidend authentische Führung, Empathie und Kommunikationsstärke für unternehmerischen Erfolg sind – alles Kompetenzen, die viele weibliche Gründerinnen und Führungskräfte mitbringen. Doch leider fehlt es häufig an der nötigen Sichtbarkeit, an Netzwerken oder schlicht an der passenden Förderung.

Dabei ist klar: Vielfalt ist kein Bonus, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor. Studien belegen seit Jahren: Divers aufgestellte Teams sind erfolgreicher und tragen maßgeblich zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens bei. Und dennoch sind Frauen in der deutschen Unternehmenslandschaft, sowohl als Gründerinnen als auch in Führungsrollen, nach wie vor unterrepräsentiert. Obwohl mehr als die Hälfte der Bevölkerung weiblich ist.

Ich weiß, wovon ich spreche: Vor rund 20 Jahren habe ich mein eigenes Unternehmen gegründet. Aus dieser Erfahrung heraus weiß ich, wie viel Durchhaltevermögen, Verantwortung und Mut zum Risiko es braucht, um eine Firma aufzubauen und wie entscheidend es ist, sich mit anderen austauschen zu können. Diese Perspektive nehme ich mit in meine Arbeit als Personalberaterin und in mein Engagement für mehr weibliches Unternehmertum.

Annette Wodzak-Littig (l.) beim Team-Meeting.

Vereinbarkeit: Wir brauchen neue Modelle

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, wo es hakt: Laut Statistischem Bundesamt arbeiten 73 Prozent der erwerbstätigen Frauen im Alter zwischen 20 und 49 Jahren mit kleinen Kindern (unter sechs Jahren) in Teilzeit, und nur 27 Prozent in Vollzeit. In der gleichen Gruppe arbeiten 91 Prozent der Männer fast ausschließlich in Vollzeit. Das ist kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem.

Viele Frauen reduzieren ihre Arbeitszeit nicht, weil sie es wirklich wollen - sondern weil die Rahmenbedingungen sie dazu zwingen. Fehlende Kinderbetreuung, starre Arbeitsmodelle oder finanzielle Zwänge sind oft die Ursache. Damit die Entscheidung zwischen Familie und Karriere keine Zwangslage, sondern eine echte Wahlmöglichkeit ist, brauchen wir neue Arbeits-, Vergütungs- und Fördermodelle. Modelle, die es Frauen erlauben, beides zu leben: sowohl berufliche Entwicklung/Karriere als auch familiäre Verantwortung.

 

Starke Frauen für einen starken Mittelstand

Gerade hier in Oberfranken – wo der Mittelstand das wirtschaftliche Rückgrat bildet – sind starke Frauen gefragt – sowohl als Entscheiderinnen als auch als Gründerinnen. Das sieht auch die Politik so: Im Oktober 2024 schrieb das Bundeswirtschaftsministerium: „Selbständige Frauen sind unverzichtbar für einen vitalen und erfolgreichen deutschen Mittelstand“ und startete den Aktionsplan „Mehr Unternehmerinnen für den Mittelstand“.

Und auch der BVMW setzt mit seiner Initiative „Starke Frauen – starker Mittelstand“ ein klares Zeichen für die Förderung weiblichen Unternehmertums. Wir bei der Wodzak.Littig Personalberatung unterstützen das nicht nur als Beobachterinnen, sondern als aktive Mitgestalterinnen.

Miriam Martín González (Gewinnerin Startup-Award 2023) und Sponsorin Annette Wodzak-Littig bei der Preisverleihung. ©BVMW Oberfranken

Einladung an alle Gründerinnen

Wir fordern alle Startup-Gründerinnen in der Region auf, sich für die Auszeichnung „Startup-Gründerin des Jahres“ beim BVMW Unternehmerinnen Award 2025 Oberfranken zu bewerben. Und zwar unabhängig vom Alter. Denn: Das Klischee der „jungen Startup-Gründerin“ ist längst überholt.

Tatsächlich liegt das Durchschnittsalter von Startup-Gründerinnen laut Female Founders Monitor 2025 aktuell bei 38 Jahren. 34 Prozent starten ihr Unternehmen im Alter zwischen 35 und 45 Jahren, 39 Prozent zwischen 25 und 35 und lediglich 5 Prozent gründen vor ihrem 25. Lebensjahr.

Kurz gesagt: Gründung kennt kein Alter, aber sie braucht mehr weibliche Vorbilder.

 

Lasst uns etwas bewegen

Ich lade alle Unternehmerinnen, Selbstständigen, Hochschulakteur:innen und Entscheider:innen aus Unternehmen ein: Lasst uns gemeinsam an einer Arbeitswelt arbeiten, in der Vielfalt, Mut und Eigenverantwortung belohnt werden. Gründerinnen brauchen mehr als gute Ideen. Sie brauchen Raum, Resonanz und Reichweite.

Hier geht es zur Bewerbung!