Veröffentlicht am 13.08.2025
Warum der Mittelstand Frauen an der Spitze braucht
In den letzten Jahren wurden verschiedene Initiativen gestartet, um weibliches Unternehmertum und Frauen in Führungspositionen im Mittelstand zu fördern, beispielsweise vom Bundesverband Mittelständische Wirtschaft (BVMW) oder von der Bundesregierung (Aktionsplan „Mehr Unternehmerinnen für den Mittelstand“).
Doch die Realität sieht anders aus: Denn der Anteil von kleinen und mittleren Unternehmen mit einer Frau an der Spitze ist zurückgegangen.
Lesen Sie in diesem Artikel:
- Der aktuelle Anteil weiblicher Führungskräfte
- Annette Wodzak-Littig im Interview
- Bedeutung von Initiativen für weibliches Unternehmertum
- Tipps für Startup-Unternehmehmerinnen
Laut einer aktuellen Studie der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) lag der Anteil 2024 bei 14,3 Prozent – der niedrigste Wert seit 2003. Im Vorjahr waren es noch 15,8 Prozent, der Höchststand 2022 lag bei 19,7 Prozent. 79 Prozent der Unternehmerinnen führen Kleinstunternehmen mit weniger als fünf Mitarbeitenden.
Rund 85 Prozent der Chefinnen sind in Dienstleistungsunternehmen tätig. Auch der Anteil weiblicher Führungskräfte in anderen Managementpositionen ging im Jahr 2024 auf 21 Prozent zurück, bei einem Frauenanteil an der Erwerbstätigkeit von 47 Prozent. Frauen sind in Führungsrollen im Mittelstand somit weiterhin unterrepräsentiert.
Was können also Wettbewerbe wie der BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken zu einer positiven Entwicklung weiblichen Unternehmertums beitragen?
Annette Wodzak-Littig, Geschäftsführerin der Wodzak.Littig Personalberatung sowie Sponsorin und Jurymitglied des Awards nimmt Stellung:
Wie bewertest du die allgemeine rückläufige Entwicklung von Unternehmerinnen im Mittelstand?
Ich verfolge diese Entwicklung mit Besorgnis. Wir waren bereits auf einem guten Weg, mehr Frauen für Führungspositionen im Mittelstand zu gewinnen. Ein Thema, das mich natürlich beschäftigt, denn bekanntermaßen prägen viele mittelständische Unternehmen, oft Familienbetriebe, die Wirtschaftsstruktur der Region Franken.
Frauen an der Spitze solcher Unternehmen sind für unsere Gesellschaft wichtig. Ihre Vorbildfunktion für junge weibliche Nachwuchskräfte ist nicht zu unterschätzen. Unternehmerinnen und Geschäftsführerinnen sind wichtige Botschafterinnen für junge Frauen, die eine Karriere im Mittelstand anstreben.
Bei diesen Zahlen könnte man den Eindruck gewinnen, dass die vielen Mittelstands-Initiativen für weibliches Unternehmertum nicht wirklich greifen. Wie wichtig sind nach wie vor die Kampagnen und Wettbewerbe? Und vor allem der BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken?
Solche Wettbewerbe und Kampagnen sind wichtig und bleiben es. Man darf nicht aufgeben, nur weil die Zahlen zeitweise zurückgehen. Nur regelmäßige Aktionen können etwas bewegen und nachhaltig wirken. Wir müssen dieses Thema kontinuierlich vorantreiben und weiterentwickeln.
Wettbewerbe wie der BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken lenken die Aufmerksamkeit auf weibliches Unternehmertum und auf erfolgreiche Frauen, die als Role Models dienen können. Der Award ermöglicht zudem, dass sich Frauen branchenübergreifend vernetzen und das geschieht bereits.
Nicht zu unterschätzen ist auch die persönliche Wirkung der Auszeichnung: Einige Siegerinnen berichteten, dass der Award und die damit verbundene Aufmerksamkeit ihr Selbstbewusstsein sowie ihr Auftreten in der Öffentlichkeit und im eigenen Unternehmen gestärkt haben.
Ziehst du daraus auch deine Motivation, dich bereits zum vierten Mal beim BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken zu engagieren?
Ja, natürlich. Im Übrigen gilt das eben Gesagte auch für mich: Nur wenn ich mich mit meiner Personalberatung nachhaltig engagiere, können wir gemeinsam etwas nachhaltig bewirken. Es freut mich, dass der Zuspruch und das Interesse an der Award-Verleihung wachsen und sich immer mehr Frauen über den Wettbewerb vernetzen. Mein Engagement ist intrinsisch motiviert, weil ich weiß, wie es ist, ein Unternehmen aufzubauen und welche Herausforderungen damit verbunden sind.
Besonders die Kategorie „Start-up-Unternehmerin des Jahres“ liegt mir am Herzen, um junge Frauen zu fördern und zu ermutigen, eine eigene Firma (mit) zu gründen. Gleichzeitig möchte ich betonen, dass sich der Award an innovative Frauen jeden Alters richtet. Ich bin sehr gespannt auf die Bewerbungen in diesem Jahr.
Was würdest du dir für den Award noch wünschen?
Es wäre großartig, wenn bei der Award-Verleihung auch einige Business Angels oder Wagniskapitalgebende im Publikum wären. So hätte der Award einen unmittelbaren praktischen Effekt. Start-up-Unternehmerinnen und -Unternehmer müssen viele finanzielle Hürden bewältigen. Gerade die Suche nach Fördermitteln ist in Deutschland oft mit großen Herausforderungen verbunden. Fördererinnen und Förderer als Gäste der Veranstaltung sind daher sehr willkommen (lacht).
Zum Abschluss: Fünf praktische Quick-Tipps für Startup-Unternehmerinnen
- Stelle früh die richtigen Leute ein - Kompetenzen und Werte müssen passen, um dein Start-up zum Erfolg zu führen. Stimmen die Werte deiner Mitarbeitenden mit denen deines Unternehmens überein, fühlen sie sich stärker mit ihrer Arbeit und dem Start-up verbunden.
- Baue eine starke Arbeitgebermarke auf - und das am besten schon als kleines Unternehmen. Eine überzeugende Arbeitgebermarke zeigt bestehenden und potenziellen Mitarbeitenden, wie attraktiv dein Start-up ist, was es einzigartig macht und welche Vorteile eine Mitarbeit bei dir bietet.
- Nutze klare Prozesse für Recruiting & Onboarding - das spart nicht nur Zeit und Nerven, sondern zeigt auch Wertschätzung gegenüber den Neuzugängen.
- Beschäftige dich frühzeitig mit dem Vertrieb - und vernachlässige neben der Produktentwicklung nicht die vertriebliche Seite. Überlege dir: Über welche Kanäle oder Multiplikatorinnen und Multiplikatoren erreichst du deine Zielgruppe? Mit welchem emotionalen oder sinnstiftenden Bild willst du dein Produkt verkaufen? Und wer übernimmt diese Aufgabe in deinem Team?
- Pflege dein Netzwerk aktiv - Talente, Partnerinnen und Partner findest du häufig über persönliche Kontakte. Das kann über LinkedIn oder andere Social Networks geschehen oder durch persönliche Begegnungen auf Veranstaltungen und Events.
Entweder selbst bewerben oder eine Unternehmerin vorschlagen
Noch besteht die Möglichkeit, sich für den BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken 2025 zu bewerben. Der Einsendeschluss für Bewerbungen ist der 21. September 2025. Bitte senden Sie Ihre Unterlagen per E-Mail an assistenz.oberfranken@bvmw.de!
Sie kennen eine engagierte Unternehmerin oder Start-up-Gründerin, die für eine der drei Award-Kategorien in Frage kommt?
Dann schlagen Sie uns Ihre Kandidatin unter info@wodzak-littig.de vor.
Die feierliche Preisverleihung findet am 18. November 2025 im Kulturquartier Bayreuth statt.