Veröffentlicht am 11.11.2022

Talent Management: Potenzialträger erkennen und fördern

Kaum ein Thema prägt den deutschen Arbeitsmarkt so wie die Gewinnung von Fachkräften. Jeder braucht sie, jeder sucht sie, aber nicht jeder schaut dabei auch nach innen, in den eigenen Betrieb. Oftmals geht der Blick nur nach außen mit den zentralen Fragen „Wie kann ich qualifizierte Arbeitnehmer:innen gewinnen, die sich nahtlos in das Unternehmen einfügen und langfristig bleiben? Welches Gehalt und welche Benefits muss ich dafür bieten? Diese Fragen sind notwendig, aber nur eine Seite der Medaille. Viele Unternehmen übersehen, welches Potenzial in den eigenen Reihen steckt oder stecken könnte. Ein gutes Talent Management, das frühzeitig aufgesetzt wird, ist heute goldwert.

Lesen Sie in diesem Artikel:

  • Warum ist ein Talentpool wichtig?
  • Wie baut man einen Talentpool auf?
  • Warum ist Agilität so wichtig?
  • Welche Bedeutung hat das Talent Engagement?

Was ist Talent Management?

Einfach erklärt: Das Talent Management beschäftigt sich mit der Identifizierung und systematischen Förderung der unternehmenseigenen talentierten Mitarbeitenden. Nun, Sie können es sich schon denken, so einfach ist es natürlich nicht. Denn das Personalmanagement und der Arbeitsmarkt haben sich in den vergangenen Jahren massiv verändert. Beides ist um einiges komplexer als früher.

Im Rahmen des Talent Managements sollten die eigenen Potenzialträger:innen, von Auszubildenden bis zu C-Level-Anwärter:innen, so entwickelt werden, dass auch in Zukunft Schlüsselrollen im Unternehmen von High-Performern besetzt werden können.  Leistung und Engagement dieser Personen sind dabei ganz entscheidend. Ebenso wichtig ist die dazugehörige Personalstrategie. Denn Personalplanung sollte nicht adhoc erfolgen, sondern mittelfristig angelegt sein. Nur so kann auf Marktveränderungen zeitnah reagiert werden – ohne sofort auf eine Lösung von außen zurückgreifen zu müssen.

Wer kommt in den Talentpool?

Bevor sie damit anfangen, Mitarbeitende als High-Performer ausfindig zu machen, sollten Sie schauen, welche Möglichkeiten und Bedingungen in Ihrem Unternehmen vorherrschen, um Talente zu identifizieren und zu fördern. Verfügen Sie bereits über einen internen Talentpool der eigenen Potenzialträger:innen oder muss er noch aufgebaut werden? Wenn die Datenbank noch nicht vorhanden ist, sollten Sie zunächst definieren, welche Fähigkeiten die Mitarbeitenden mitbringen müssen (neben ihrer Expertise), um in den Talentpool aufgenommen zu werden. Dabei sollten Sie sich auch so wesentliche Fragen stellen wie: Welche Mitarbeitende können langfristig die Treiber:innen nicht nur eines Teams, sondern auch des Unternehmens sein?

Assessment Center: Früher beliebt, heute überholt

Im zweiten Schritt sollten verschiedene Verfahrensweisen eruiert werden, die dazu dienen, Talente im eigenen Betrieb zu erkennen. Früher griff der Arbeitgeber gern auf das Assessment Center (AC) zurück, das seinen Ursprung im Militär hatte. Seit den 80er Jahren galt das AC vor allem bei großen Betrieben als das Nonplusultra bei Selektionsverfahren – sowohl bei Bewerber:innen als auch bei der Beurteilung von Mitarbeitenden. Fachkräftemangel war damals noch ein Fremdwort, und der Andrang auf eine attraktive Stelle war dementsprechend groß.

Bei den Teilnehmenden war das AC allerdings weniger beliebt, viele fürchteten sich davor, vorgeführt zu werden, denn meist wurde in Gruppendiskussionen, Kurzpräsentationen und Rollenspielen eine große Anzahl von Personen auf Kommunikationsfähigkeit und Teamverhalten getestet. Eines der Probleme: Extrovertierte Bewerber:innen wurden bzw. werden oftmals eher (wahr-)genommen als stille Kandidat:innen, die zunächst reflektieren, analysieren und dann erst sprechen.  Auch an der nachhaltigen Aussagekraft der damals beliebten Postkorbmethode gibt es mittlerweile Zweifel. Bei ihr geht es darum, unter Zeitdruck aus einer Summe an verschiedenen Aufgaben und Ereignissen die wichtigsten und dringlichsten herauszufiltern, zu priorisieren und abzuarbeiten. Doch was sagt das wirklich darüber aus, wie ein Mensch seine künftigen Aufgaben und seine (neue) Rolle nachhaltig im Unternehmen bewältigen wird?

Persönlichkeitsanalyse und Interviews statt Gruppengespräche und -aufgaben

Zwar gibt es noch heute Unternehmen, die AC zur Bewerberauswahl nutzen, aber die Gruppen sind deutlich kleiner. Zudem finden zunehmend Einzelauswahlen und -tests statt. Meist kommen heutzutage AC bei Hochschulabsolventen und Bewerber:innen für Trainee-Programme zum Einsatz, weil hier weniger die fachliche Kompetenz als das Führungspotenzial der Kandidat:innen im Vordergrund steht – meist im Bereich BWL. Wenn es um die Beurteilung von Fachkompetenz geht, stößt das Assessment Center an seine Grenzen. Dafür setzen viele Unternehmen auf strukturierte Interviews mit Fachkolleg:innen.

Darüber hinaus werden heute eher Testverfahren oder Projektaufgaben initiiert, um Talente herauszufiltern. Auch Persönlichkeitsanalyse und Managementdiagnostik spielen in den Auswahlverfahren eine entscheidende Rolle, wie zum Beispiel der Big-Five-Persönlichkeitstest, der Myers-Briggs-Typindikator oder das Predctive-Index-Verfahren, das wir anwenden. Es hilft die motivierenden Bedürfnisse, Antriebe, Führungsstil und grundsätzlichen Verhaltensweisen von Menschen im Arbeitsumfeld zu verstehen.  

Ebenfalls nützlich zur Findung von Potenzialträger:innen können Gespräche mit Mitarbeitenden, Kolleg:innen, Führungskräften oder sogar Externen wie Lieferant:innen aus dem Umfeld des Kandidaten oder der Kandidatin sein. Auch über diese Potenzialanalysen kann der Talentpool erweitert werden.

So unterschiedlich die Anforderungen an die einzelnen Talente auch sein mögen, so gibt es doch einen Begriff, der in den letzten Jahren die Arbeitswelt stark geprägt hat und mittlerweile als Grundvoraussetzung für modernes Arbeiten und Führen gilt: Agilität.

Agilität ist ein zentraler Faktor

Arbeitgeber mussten schon immer im Rahmen ihres Personalmanagements schauen, welche Mitarbeitenden in der Lage sind, ein Unternehmen mitzuentwickeln, neue Aufgaben zu bewältigen und künftig Führungspositionen zu übernehmen. Allerdings findet aktuell ein Paradigmenwechsel statt, bei dem die Fähigkeit, zeitnah, flexibel und adäquat auf Veränderungen zu reagieren, immer stärker in den Vordergrund rückt. Die Rede ist von Agilität. Kein neues Thema, aber eines, das insbesondere in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Wesentliche Auslöser waren die digitale Transformation, der demografische Wandel und die Werteverschiebung. Auch die Corona-Pandemie und die Wirtschaftskrise tragen dazu bei, dass wir immer schneller und flexibler auf Veränderungen reagieren müssen.

Dieser Trend in der Arbeitswelt bringt neue Herausforderungen mit sich, bei denen das Konzept der Agilität eine Renaissance erfährt. Wirklich neu ist dabei vor allem, dass sehr viele Unternehmen nicht nur einzelne Teams mit Agilität vertraut machen wollen, sondern ihre gesamte Organisation.

Das bedeutet für den Arbeitergeber: Einerseits gilt es zu prüfen, wie anpassungsfähig der Mitarbeitende ist. Ist er fähig, auf veränderte Situationen schnell zu reagieren? Wie schaut es mit seiner Resilienz aus? Oder braucht die Person feste Strukturen zur Orientierung? Andererseits spielt der Aspekt Agilität auch beim Führen eines Teams eine wichtige Rolle. Im Rahmen einer modernen Teamführung gibt der Verantwortliche allen Beteiligten genügend Freiraum und Vertrauen – ohne sie allein zu lassen. Agiles Arbeiten vermeidet starre Hierarchien und zielt auf schnelle Ergebnisse ab, die durch enge Abstimmung mit den Kunden kurzfristig und häufig verbessert werden.

Aber nicht nur Agilität ist eine der gefragtesten Fähigkeiten. Bei der Einschätzung von potenziellen Führungspersönlichkeiten spielen heutzutage auch folgende Aspekte eine Rolle: zum Beispiel die Koordination verschiedener Arbeitsmodelle in einem Team (u.a. Remote, Teilzeit, Homeoffice), der Umgang mit dem Thema Diversity, Interkulturalität im Team, Kenntnisse von unterschiedlichen Managementmethoden wie Scrum oder Design Thinking etc. Welche Schwerpunkte Sie setzen, liegt bei Ihnen und bei der Ausrichtung Ihres Unternehmens.

Talente richtig fördern

Wenn Sie Potenzialträger:innen in Ihrem Betrieb ausfindig gemacht haben, gilt es nun diese zu fördern. Das kann auf vielfältige Art und Weise geschehen. Durch allgemeine Weiterbildungsangebote, individualisierte Fortbildungen oder Mentoren-Programme. Dabei sollten Sie nicht vergessen, beide Seiten zu berücksichtigen. Also einerseits, was haben Sie zu bieten, und andererseits, was wollen die Talente?

Die Unternehmensberatung Kienbaum hat im Jahr 2020 mehr als 1.000 Talente zu ihren Präferenzen bezüglich ihrer eigenen Entwicklung befragt und dabei drei wesentliche Treiber von „Talent Engagement“ eruiert.

1.     Talente wollen befähigt und nicht bevormundet werden

95 Prozent der Befragten möchten Inhalte und Formate für ihre berufliche Entwicklung selbst wählen.

2.     Talente wollen Business Impact und keine Beschäftigungstherapie

91 Prozent der Befragten setzen auf eine berufliche Weiterbildung, um ihre Fähigkeiten im Sinne der Unternehmensziele einsetzen zu können. Fast einstimmig geben die befragten Talente an, dass sie ihre Entwicklung nicht auf theoretischer Lehre und Simulationen aufbauen wollen, sondern konkrete Herausforderungen angehen möchten, um daran wachsen zu können.

3.     Talente wollen mit Kolleg:innen wachsen, anstatt einfach nur bevorzugt zu werden

85 Prozent der Befragten geben an, dass sie in einem Betrieb arbeiten möchten, in dem alle Mitarbeitenden gleich intensiv beruflich gefördert werden. Allerdings präferieren rund 48 Prozent auch ein Modell, in dem ausschließlich die besten Mitarbeitenden beruflich gefördert werden (Mehrfachnennungen waren möglich).

Was bedeuten diese drei Punkte? Wie eingangs erklärt, sind Leistung und Engagement der Talente wichtig, um Ihr Unternehmen weiterzuentwickeln. Deshalb sollten Sie auch die Bedürfnisse Ihrer Mitarbeitenden in Ihrer Personalstrategie berücksichtigen – insbesondere der High-Potentials. Das steigert nicht nur deren Commitment zum Unternehmen, sondern spricht sich auch herum und zieht wiederum andere Talente an.

 

Wie ein gutes Talentmanagement gelingen kann und welche Rolle Managementdiagnostik und Personalentwicklung dabei spielen, erklären wir Ihnen gerne. Kommen Sie auf uns zu!

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