Veröffentlicht am 06.12.2022

Rehiring: Zurück in die Zukunft

Qualifizierte Mitarbeitende, die gekündigt haben, sollten Arbeitgeber trotzdem im Blick behalten. Denn es besteht eine realistische Chance, dass sie zurückkommen. Einen wesentlichen Anteil hat dabei das Offboarding, das wie das Onboarding eine wichtige Rolle im Personalmanagement spielt. Leider wird das oftmals vergessen.

Lesen Sie in diesem Artikel:

  • Die wichtige Onboarding Journey
  • Die Kündigung muss nicht das Ende sein
  • 43 Prozent können sich eine Rückkehr vorstellen
  • Offboarding: Ein gutes Trennungsmanagement

Der Einstieg

Um begehrte Fachkräfte frühzeitig ans Unternehmen zu binden, ist ein gutes Onboarding-Konzept unerlässlich. Das haben inzwischen viele Betriebe verstanden. Doch meist beginnen sie erst mit dem Onboarding, wenn die neue Mitarbeiterin oder der neue Mitarbeiter in die Firma eintritt. Das ist jedoch zu spät. Der gesamte Onboarding-Prozess beginnt bereits mit der Vertragsunterzeichnung und endet frühestens nach der Probezeit. Deshalb ist es wichtig, ein Onboarding-Programm aufzusetzen und die neuen Beschäftigten in allen Phasen zu begleiten.

Eine sinnvolle Onboarding Journey

Die Onboarding Journey umfasst nicht nur die Einarbeitung, sondern darüber hinaus die Eingliederung der neuen Kolleg:innen ins Team und in die Unternehmenskultur. Die möglichen Maßnahmen sind vielseitig: Manche Neulinge bekommen Mentor:innen an die Seite gestellt, es werden gemeinsame Mittagessen mit den Kolleg:innen organisiert, es finden regelmäßige Feedbackgespräche mit Zielvereinbarungen statt, es gibt Kennlernevents mit anderen Abteilungen etc. Optimalerweise werden die Bestandteile der Onboarding Journey individuell zusammengestellt und miteinander verbunden, sodass ein Entwicklungsprozess stattfinden kann.

Zu jedem Anfang gehört auch ein Ende

Zehn Tipps für ein erfolgreiches Onboarding haben wir bereits in einem vorherigen Blogbeitrag zusammengestellt. Dort ist auch detailliert beschrieben, was zu einem erfolgreichen Onboarding gehört, damit der Start eines neuen Mitarbeitenden im Unternehmen gelingen kann. Aber was einen Anfang hat, hat auch ein Ende. Jedes Unternehmen muss sich mal mehr, mal weniger mit Mitarbeiterfluktuation beschäftigen. Dabei ist das richtige Offboarding wichtig. Warum? Wenn Mitarbeitende kündigen, bedeutet das nicht automatisch das Ende der Beziehung zu ihrem ehemaligen Arbeitgeber. Daraus kann auch etwas Positives entstehen.

Die Kündigung eines qualifizierten Mitarbeitenden ist immer ein Wermutstropfen für den Arbeitgeber, aber mit der passenden Strategie fürs Offboarding können Unternehmen bei ehemaligen Beschäftigten einen guten Eindruck hinterlassen, so dass sie ihren Ex-Arbeitergeber weiterempfehlen. So können einstige Angestellte zu „Botschafter:innen“ des Unternehmens werden oder gar zu „Recruiter:innen“, die aktiv Bewerbernde vermitteln. Und einige kehren vielleicht nach einer Auszeit selbst wieder zurück.

Comeback nicht ausgeschlossen

Eine Arbeitsmarktstudie aus August 2022, die vom Marktforschungsinstitut bilendi mit über 1.000 Personen durchgeführt wurde, zeigt: 43 Prozent der Befragten – ausschließlich Beschäftigte, die in den vergangenen drei Jahren ihren Arbeitsplatz gewechselt hatten – können sich eine Rückkehr zu ihrem alten Arbeitgeber vorstellen. 17 Prozent überlegen sogar, eine Bewerbung an den früheren Arbeitgeber zu schicken. 21 Prozent der Befragten würden einer aktiven Ansprache durch den Ex-Arbeitgeber positiv gegenüberstehen. Und was sind die Top-3-Gründe, warum sie ein Comeback in Erwägung ziehen?

  • 40 Prozent schätzen die Sicherheit, die ihnen alte Arbeitsroutinen geben
  • 21 Prozent erhoffen sich einen Gehaltssprung
  • 23 Prozent vermissen die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen

Ein großer Vorteil dieser sogenannten Boomerang-Mitarbeitenden ist offensichtlich: Beide Parteien kennen sich und wissen, was sie voneinander erwarten können. Die Ex-Beschäftigten kennen die Unternehmenskultur, das Geschäftsmodell, die Kunden, die Systeme und Prozesse. Der Arbeitgeber kennt die Fähigkeiten, das Wissen und das Engagement der alten Neuen. Aber: Vielleicht hat auch der ein oder andere in der Zwischenzeit neues Know-how erworben, was nun ganz neu auf das Unternehmen einzahlt.

Offboarding: Ein gutes Trennungsmanagement

Warum es sich lohnt, als Unternehmen den Talentpool „Ehemalige“ im Blick zu behalten und jederzeit eine Offboarding-Strategie parat zu haben, erläutern wir nachfolgend, denn auch dieser Teil des Personalmanagement gehört zu unserem Beratungsangebot. Ein positives Trennungsmanagement dient nicht nur dazu, Mitarbeitenden, die im Guten aus dem Unternehmen scheiden, zu signalisieren, dass sie jederzeit wieder willkommen wären, sondern auch, um bei den verbliebenden Mitarbeitenden das Zugehörigkeitsgefühl zu stärken. Denn fast bei jeder Kündigung von Kollegen:innen hinterfragen die Beschäftigten, wie sie selbst zum Arbeitgeber stehen. Deshalb ist es so wichtig, dass das Ausscheiden geordnet und wertschätzend erfolgt. Ist dem nicht so, kommen bei den Mitarbeitenden schnell Gedanken auf wie „Wird meine Arbeit hier auch nicht anerkannt?“ oder „Bin ich ebenfalls einfach austauschbar?“.

Zu einem guten Trennungsmanagement gehören:

  • Nach der Kündigung sollte die Führungskraft das Gespräch mit dem scheidenden Mitarbeitenden suchen. Keine oder eine beleidigte Reaktion sind ein No Go.
  • Ein offenes Feedbackgespräch wäre wünschenswert
  • Möchte das Unternehmen die Person unbedingt behalten, sollte ihr die zuständige Führungskraft ein Angebot unterbreiten, dass eine deutliche Verbesserung (Gehalt, Aufgaben, Position, Benefits o. ä.) im Vergleich zu ihrer aktuellen Stelle darstellt.
  • Es sollte eine strukturierte Übergabe geplant und durchgeführt werden.
  • Die Kündigung sollte im Team kommuniziert und nicht einfach totgeschwiegen werden.
  • Nach dem Ausscheiden des Mitarbeitenden sollte die Führungskraft nicht schlecht über die Person oder die zurückliegende Zusammenarbeit sprechen.
  • In der Zeit zwischen Kündigung und dem tatsächlichen Ausscheiden sollte der scheidende Beschäftigte nicht ignoriert und von allen Aktivitäten ausgeschlossen werden.
  • Ideal wäre eine offizielle Verabschiedung, zu der die Führungskraft das gesamte Team einlädt – ein kleines Präsent, das die Anerkennung der vergangenen Zeit zum Ausdruck bringt, ist durchaus angemessen.
  • Das Zeugnis des scheidenden Mitarbeitenden sollte zeitnah ausgestellt werden. Jede:r Arbeitnehmer:in hat das Recht, ein faires Zeugnis zu erhalten. Dieses muss zwingend wahr und wohlwollend formuliert sein.

Wie sieht die Realität nach der Trennung aus? Laut der erwähnten Arbeitsmarktstudie überlegen 17 Prozent der Befragten, selbst eine Bewerbung an ihr ehemaliges Unternehmen zu schicken. Etwas größer ist der Anteil derjenigen, die auf eine aktive Ansprache durch den einstigen Arbeitgeber warten (21 Prozent). Aber offenbar verpassen viele Arbeitgeber aktuell die Chance, einstige Mitarbeitende zurückzugewinnen. Tatsächlich zurückgewechselt sind bis dato nämlich lediglich 5 Prozent der Befragten. Hier steckt also noch einiges Potenzial im Rehiring.

Onboarding, Offboarding und sämtliche Aspekte der Personalentwicklung – wir beraten Sie gern bei Ihrer Personalstrategie.

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