Veröffentlicht am 11.01.2024
Mehr weibliche Vorbilder auf der Bühne: BVMW Unternehmerinnen Award 2023
Im November 2023 erhielten inspirierende Frauen bereits zum dritten Mal den BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken.
Als Jurymitglied und Sponsor der Kategorie „Start-up-Unternehmerin des Jahres“ unterstützte die Wodzak.Littig Personalberatung, vertreten durch Annette Wodzak-Littig, erneut den Award. In dieser Kategorie gewann Miriam Martín González, Gründerin von Myriad Garden, einem jungen Unternehmen für vertikale Indoor-Gärten mit Sitz in Bayreuth. Wir haben uns nach der Verleihung getroffen, um mehr über ihre Arbeit zu erfahren.
Lesen Sie in diesem Artikel:
- Die Award-Gewinnerinnen 2023
- Was steckt hinter Myriad Garden?
- Miriam Martín González von Myriad Garden im Interview
- Universität Bayreuth als wichtigen Förderer
- Investorensuche für die Produktionssteigerung
- Die Vision: Einzug in Supermärkte
Die Gewinnerinnen des BVMW Unternehmerinnen Award 2023 Oberfranken
Aus über 60 Kandidatinnen kürte die Jury vier Gewinnerinnen: Miriam Martín González, Gründerin von Myriad Garden in Bayreuth (Kategorie „Start-up-Unternehmerin des Jahres“), Janneke Klasen, Geschäftsführerin von H. Schmidt Werbeverpackungen in Lichtenberg, Landkreis Hof (Kategorie „Unternehmerin des Jahres“) und Gabriele Göhl, Gründerin des Ambulanten Pflegedienstes Dominikus GmbH in Arzberg, Landkreis Wunsiedel (Kategorie „Herzenspreis für die Frau im Unternehmen“). Den Ehrenpreis erhielt Dr. Dorothee Strunz, geschäftsführende Gesellschafterin, der LAMILUX Heinrich Strunz Holding GmbH & Co. KG in Rehau, Landkreis Hof.
Der BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken ist zweifellos eine bedeutende Auszeichnung, die das Engagement und die Leistungen inspirierender Frauen in der Region würdigt. Es ist ermutigend zu sehen, wie Frauen in der Wirtschaft immer stärker vertreten sind und ihre Fähigkeiten und Talente erfolgreich einsetzen.
Solche Auszeichnungen tragen dazu bei, die Sichtbarkeit und Anerkennung von Unternehmerinnen zu erhöhen und andere Frauen zu bestärken, ihre eigenen unternehmerischen Träume zu verfolgen. Herzlichen Glückwunsch an alle Preisträgerinnen!
Annette Wodzak-Littig, Sponsorin des BVMW Unternehmerinnen Awards und Inhaberin der Wodzak.Littig Personalberatung
Das Unternehmen der Gewinnerin Miriam Martín González heißt Myriad Garden. Was verbirgt sich dahinter?
Myriad Garden ist ein Wandgartensystem für insgesamt 16 Kräuter- oder Gemüsesorten, das in jede Wohnung passt. Die Aeroponic Technologie aus der Raumfahrttechnik ermöglicht ein Wachstum ohne Erde, nur mit kompostierbaren Kokosfasern, denn die Wurzeln hängen in einem abgeschlossenen Raum im Innern des Wandgartens frei in der Luft. Durch die Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen mithilfe eines feinen Sprühnebels wachsen die Pflanzen schneller und werden größer. Speziell entwickelte LED-Lichter sorgen für die optimale Umgebung.
In einem Interview mit der Gründerin wollen wir mehr über die Entstehung von Myriad Garden erfahren.
Wodzak.Littig Personalberatung: Frau Miriam Martín González, Sie wurden bereits mehrfach für Myriad Garden ausgezeichnet. Zum Beispiel mit dem Start-up Design Award 2022. Was bedeutet Ihnen der BVMW Unternehmerinnen Award?
Miriam Martín González: Es ist mir eine Ehre, diesen Preis erhalten zu haben. Der Unternehmerinnen Award rückt Frauen in Führungspositionen in dem Vordergrund. Obwohl ich hinter der Technologie und dem Design stecke, möchten Investoren oder Journalisten häufig mit meinen Partnern über Myriad sprechen. Das nehme ich nicht persönlich. Dennoch ist es nach so vielen Jahren sehr schön, nun diese Anerkennung zu erhalten. Ein Unternehmen aufzubauen ist schwer und der Award zeigt, dass es inspirierende Unternehmerinnen gibt.
Wodzak.Littig Personalberatung: Wie ist die Idee zu den vertikalen Gärten entstanden und wie hat sie sich seither entwickelt?
Miriam Martín González: Ich habe Elektrotechnik in Spanien studiert und dabei stets meine tiefe Faszination für alles, was mit dem Weltraum zu tun hat, genährt. Auf der Suche nach besseren beruflichen Chancen habe ich beschlossen, nach München zu ziehen. Während meiner Tätigkeit als Softwareingenieurin, wo ich Satelliten programmierte, lernte ich Yannic Hönle, meinen zukünftigen Mitgründer von Myriad Garden, kennen. Wir teilten diesen gemeinsamen Traum und Enthusiasmus für die Raumfahrtindustrie. Anschließend sind wir zusammen nach Bonn gezogen, wo ich am Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik gearbeitet habe.
Nach etwas Recherche haben wir in dieser Zeit herausgefunden, warum das von uns gekaufte Gemüse oft nicht mehr frisch schmeckt. Es legt durchschnittlich 3200 Kilometer zurück, bevor es im Supermarkt landet. Deshalb haben wir selbst versucht, Tomaten in der Wohnung anzupflanzen. Das ging aber total schief, da uns die Erfahrung, der Platz für die Töpfe und die Zeit zur Pflanzenpflege fehlte. Während meiner Masterarbeit habe ich mich damit beschäftigt, wie Astronauten auf der Raumstation Gemüse anbauen, und dadurch sind wir zu unserem Prototypen von Myriad Garden gekommen. Wir haben unseren ersten Indoor-Garten während eines zweiwöchigen Urlaubs auf die Probe gestellt. Nachdem wir wieder zuhause waren, sind die Pflanzen riesengroß geworden. Danach wussten wir, dass unsere Idee funktioniert.
Wodzak.Littig Personalberatung: Was ist der nächste Schritt für Myriad Garden?
Miriam Martín González: Uns fehlt Unterstützung für unsere Produktion. Wir möchten die Bauteile schneller herstellen können. Alles wird von uns selbst mit der Hand gemacht. Als kleines Team benötigen wir dafür aktuell noch viel Zeit. Wir sehen große Wachstumsmöglichkeiten. Unser Produkt ist nicht nur für Privatkunden, sondern auch für Unternehmen oder Hotels interessant.
Wodzak.Littig Personalberatung: Haben Sie einen Tipp für Gründerinnen? Gibt es gute Netzwerke?
Miriam Martín González: Wenn du eine Idee hast, die ein Bedürfnis löst, dann leg einfach los und probiere sie aus. Der Aufbau eines Unternehmens kann eine unglaublich anspruchsvolle Reise sein. Du wirst dich dabei mit Themen auseinandersetzen, die weit über deine übliche Expertise hinausgehen, und dich aus deiner Komfortzone herauswagen, um Aufgaben anzugehen, die dir vielleicht nicht einmal gefallen. Es wird viele Höhen und Tiefen geben, aber glaub mir, die Reise lohnt sich wirklich.
Unterstützung auf diesem Weg zu suchen, ist extrem wichtig. Glücklicherweise gibt es in der Region viele Zentren, die genau diese Unterstützung bieten. Zum Beispiel ist der Zollhof in Nürnberg eine erstaunliche Hilfe für uns und bietet ein reiches Know-how erfahrener Gründer. Baystartup ist ebenfalls eine unglaubliche Unterstützung durch Coaching und bietet stets kostenlose Online-Workshops an. Und in Bayreuth gibt es auch ein Netzwerk von Unterstützungsgruppen, so wie die Universität Bayreuth, die für ihre fantastischen Verbindungen bekannt ist. Sie können dich mit den richtigen Leuten in Kontakt bringen.
Seit neuestem hat das Institut für Entrepreneurship & Innovation der Universität Bayreuth auch ein Programm für Frauen namens EXIST Women, mit dem sie Frauen ermutigen möchten, ihre eigenen Unternehmen zu gründen.
Wodzak.Littig Personalberatung: Gibt es hierzulande genügend finanzielle Unterstützung durch staatliche Förderprogramme?
Miriam Martín González: Wir haben sehr viel finanzielle Unterstützung erhalten. Zum Beispiel durch das EXIST-Gründungsstipendium, die EU-Programme EIT Food und EIT Climate, und den Start?Zuschuss! vom Gründerland Bayern. Die Anforderungen sind unterschiedlich. Manchmal reicht ein Formular und manchmal muss ein Businessplan eingereicht werden. Genug Eigenkapital ist allerdings wichtig, da die Förderungen zur Hälfte selbst finanziert werden müssen.
Wodzak.Littig Personalberatung: Warum haben Sie Bayreuth als Ihren Standort gewählt? Was gefällt Ihnen hier?
Miriam Martín González: Wir haben von dem EXIST-Gründerstipendium erfahren, das innovative und technologieorientierte Startup-Projekte unterstützt. Dazu braucht man eine Zusammenarbeit mit einer Universität. Unsere Eintrittskarte zu dieser Gelegenheit war Marvin Hönle, der derzeit seinen Doktor in der Abteilung für Pflanzenphysiologie an der Universität Bayreuth verfolgt und zufällig auch Yannics Bruder ist. Marvin stellte uns dem Leiter seiner Abteilung vor, was die Verbindung erleichterte. Nach einer erfolgreichen Bewerbung arbeiteten Yannic und ich ein Jahr lang gemeinsam in der Universität an dem Forschungsprojekt. Danach gründeten wir Myriad.
Die Universität Bayreuth hat uns sehr unterstützt. Wir haben auch sehr schnell Kontakte zu anderen Gründern schließen können, dadurch dass die Verbindungen stark sind und hier jeder jeden kennt. Die lokalen Medien, andere Unternehmer und Privatpersonen sind interessiert, unterstützen uns und wollen, dass wir erfolgreich sind. Außerdem lässt es sich in Bayreuth sehr gut mit der schönen Natur rundherum leben.
Wodzak.Littig Personalberatung: Was ist Ihre Vision? Wie soll sich Ihr Projekt langfristig auf die Gesellschaft auswirken?
Miriam Martín González: Wir streben an, die Gemüseproduktion zu optimieren. Unsere Vision ist es, dass Supermärkte in Zukunft Myriad nutzen und so wirklich frische Produkte anbieten können. Es ist unnötig, beispielsweise Tomaten in Spanien anzubauen, um sie anschließend nach Deutschland zu transportieren und sie dort zu verkaufen. Die Menschen verfügen über zahlreiche freie Wände, die sie effektiv nutzen können, um Gemüse vor Ort anzupflanzen. Durch den Einsatz unserer Technologie benötigen wir keine weitläufigen Landschaften mehr für den Anbau von Salat, Tomaten & Co.
Wodzak.Littig Personalberatung: Vielen Dank für das Gespräch.
Die Nominierten der Kategorie „Start-up-Gründerinnen“
Neben Miriam Martín González waren auch Meltem Alca, ASKMI GmbH (Bayreuth) und Dipl.-Ing. Aline Schollbach, Wevosys medical technology GmbH (Bamberg) nominiert.
Meltem Alca, die Gründerin von ASKMI, entwickelt eine Vertriebs-App, die einen raschen Aufbau virtueller Showrooms ermöglicht. Dadurch können Produkte und Dienstleistungen in einem interaktiven Beratungsprozess anschaulich erläutert werden.
Das Unternehmen WEVOSYS von Dipl.-Ing. Aline Schollbach stellt eine Vielzahl zertifizierter Medizinprodukte bereit, die besonders in den Fachbereichen HNO, Phoniatrie und Logopädie zur Stimmfeldmessung und Stimmdiagnostik eingesetzt werden.
Die Entwicklung der Start-up Szene ist spannend und wir stimmen Miriam Martín González zu, dass es hart ist, ein Unternehmen zu gründen. Hierbei ist Unterstützung durch ein großes Netzwerk aus Unternehmen, Journalist:innen und Investor:innen wichtig. Warum wir uns bei dem Unternehmerinnen Award engagieren, haben wir in einem vorherigen Blogbeitrag erläutert.
Für den Erfolg und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens stehen die Mitarbeitenden. Um die passenden Kandidat:innen und Unternehmen langfristig zusammenbringen, unterstützen wir in der Beratung und bei der Suche. Gerne stellen wir uns gemeinsam Ihren Herausforderungen. Senden Sie einfach eine E-Mail an info@wodzak-littig.de oder rufen Sie uns an: +49 921 9592344-0.
Titelbild: v.l. Bettina Angerer, Verbandsbeauftragte BVMW Oberfranken; Toni Appel, Schreinerei Appel (Erschaffer des Start-up Awards 2023); Meltem Alca (ASKMI GmbH) Miriam Martín González (Myriad UG); Mathias Küchler als Vertretung von Dipl.-Ing. Aline Schollbach (Wevosys medical technology GmbH); Annette Wodzak-Littig, Inhaberin Wodzak.Littig Personalberatung; Kerstin Rank, Geschäftsführerin B2L GmbH & Co. KG (Gewinnerin 2019 und Laudatorin 2023) ©BVMW Oberfranken