Veröffentlicht am 15.03.2023
Drei schnelle Tipps für das nächste Bewerbungsgespräch
Für einige ist es das erste Mal, andere haben schon eine gewisse Routine, fragen sich aber, was sie noch besser machen könnten. Das Bewerbungsgespräch gehört zum beruflichen Alltag und ist Teil der Karriereleiter. Insbesondere in den letzten Jahren hat sich bei den Interviews einiges verändert. Das Markanteste ist wohl, dass seit dem Ausbruch von Corona virtuelle Bewerbungsgespräche zur Routine geworden sind. Zudem sind die Themen „Work-Life-Balance“ und „Remote Work“ zum festen Bestandteil der Interviews geworden.Wir geben Ihnen, ob Unternehmen oder Jobsuchende, drei Quick Wins für das nächste Interview, denn das wird sowohl inhaltlich als auch seitens der Ausstattung immer komplexer. Im Grunde genommen ist ein Bewerbungsgespräch wie eine Art Blind Date oder eine Dating Show. Gesucht wird immer das Perfect Match.
Lesen Sie in diesem Artikel:
- Informationen sind das neue Gold
- Die Chemie sollte stimmen
- Auch virtuell richtig interagieren
1.) Unternehmen sucht Fachkraft
Wer kennt ihn nicht den Spruch: „Vorbereitung ist die halbe Miete“. Und er stimmt zu 100 Prozent. Bereiten Sie sich gründlich auf das Bewerbungsgespräch vor. Zeigen Sie Interesse, Engagement und Wertschätzung, indem Sie sich gut über Ihr Gegenüber informieren und ein persönliches Gespräch führen können. Das gilt für beide Seiten.
Tipp für Bewerber:innen: Machen Sie sich nicht nur einfach auf der Unternehmens-Website kundig, sondern schauen Sie auch, wie Sie sich Ihre künftige Arbeitsstelle und deren Management in den sozialen Medien darstellen – insbesondere auf LinkedIn (folgen Sie dem Unternehmen und ausgewählten Personen). Lesen Sie nach, was seriöse Medien über das Unternehmen schreiben und hören Sie sich um, wie das Unternehmen seiner Corporate Social Responsibility (CSR) nachkommt. CRS umfasst sämtliche soziale, ökologische und ökonomische Aspekte, wie beispielsweise Umwelt- und Klimaschutz, soziales Engagement oder eine mitarbeiterorientierte Personalkultur. All das schafft ein umfassendes Bild Ihres potenziellen Arbeitgebers und gibt Ihnen auch einen Hinweis auf den passenden Dresscode für das Interview.
Tipp für Unternehmen: Lesen Sie die Bewerbungsunterlagen aufmerksam und beurteilen Sie die Kandidatin oder den Kandidaten nicht allein nach dem Lebenslauf. Besprechen Sie sich mit Ihrer Personalabteilung und lassen Sie sich ausführlich von Ihrer Personalberatung briefen. Nutzen Sie sinnvolle Persönlichkeitstest wie den Predictive Index (PI), ein Potenzialanalyse-Verfahren, das der objektivierenden Erfassung von arbeitsbezogenem Verhalten, Potenzialen, Motivation und Arbeitszufriedenheit dient. Das Verfahren ist simpel und effektiv zugleich. Passen Sie Ihren Fragenkatalog individuell an die jeweilige Bewerberin bzw. den jeweiligen Bewerber an, um hinterher ein wirklich persönliches Profil erstellen zu können. Nehmen Sie neben einer Vertreterin oder einem Vertreter Ihrer HR-Abteilung auch jemanden aus Ihrer Personalberatung mit in das Interview. Beide haben einen unterschiedlichen Blick auf die Bewerber:innen.
2.) Wer ist Ihr Herzblatt?
Erinnern Sie sich noch an die ehemalige Datingshow „Herzblatt“, bei der ein Single drei hinter einer Wand verborgenen Anwärter:innen Fragen stellte, um aus deren kreativen Antworten sein bzw. ihr Herzblatt herauszusuchen? Damit wollen wir Sie nicht darauf hinweisen, dass es in Jobinterviews immer noch merkwürdig anmutende Fragen geben kann, wie zum Beispiel: „Was denken Sie über Gartenzwerge?“ oder „Welcher Superheld wären Sie gern und warum?“. Hier sollten Sie souverän bleiben und möglichst kreativ antworten. Nein, wir wollen mit dem Dating-Beispiel aufzeigen, dass es neben den Hard Facts auch um das Perfect Match geht. Nicht nur von der Arbeitgeber-, sondern auch von der Bewerber:innen-Seite. Erinnern Sie sich daran, wie viele Herzblatt-Paare die Kennlernphase überlebt haben? Nicht viele. Das Perfect Match kann man nicht erzwingen. Schauen Sie genau hin, ob die Chemie stimmt. Was sagt Ihr Bauchgefühl? Haben Sie die gleichen Werte? Das ist ebenso wichtig, wie der Lebenslauf (Arbeitgeber) oder die angebotenen Benefits (Arbeitnehmer). Schließlich geht es im Job auch um weichere Faktoren wie Vertrauen, schnelle Abstimmungen und Arbeitsatmosphäre.
Tipp für Bewerber:innen: Wenn die Chemie stimmt, aber das Gehalt oder die Benefits nicht ganz Ihren Erwartungen entsprechen, dann haken Sie das Unternehmen nicht gleich ab – besonders, wenn Sie großen Wert auf eine gute Work-Life-Balance legen. Bieten Sie Alternativen an: Leistungszulagen, Sonderurlaube, Prämien oder steuerfreie Zuschläge. Oder handeln Sie ein individuelles Arbeitsmodell aus, wie die Vier-Tage-Woche oder Remote Work nach Ihren Bedürfnissen.
Tipp für Unternehmen: Wenn die Chemie stimmt, aber der Lebenslauf nicht ganz perfekt ist, dann denken Sie darüber nach, ob Sie nicht durch Weiterbildung Fehlendes ausgleichen könnten. Eine Kandidatin oder ein Kandidat mit hohem Engagement und Commitment, aber nicht perfekter Vita, kann trotzdem sehr vielversprechend sein und Ihnen lang erhalten bleiben. In Zeiten des Fachkräftemangels ein nicht unwesentliches Kriterium.
3.) Nur der Bildschirm zählt
Die einen finden es praktisch, die anderen lehnen es ab. Wie eingangs bereits erwähnt, hat die Corona-Pandemie die Anzahl der virtuellen Vorstellungsgespräche erhöht. Sie sind somit in vielen Unternehmen zur Normalität im Auswahlverfahren geworden.
Tipp für Bewerber:innen: Tatsache ist: Auf ein virtuelles Bewerbungsgespräch müssen Sie sich genauso intensiv vorbereiten, wie auf die persönliche Einladung ins Unternehmen. Checken Sie, ob Sie alle wichtigen Informationen von Ihrem potenziellen Arbeitgeber erhalten haben: Wer ruft wen an? Wer nimmt teil? Über welche Videokonferenzlösung findet das Interview statt?
Überprüfen Sie anschließend Ihre technische Ausstattung (Kopfhörer, Mikrofon-Qualität etc.) und schauen Sie, ob Sie den gewünschten Videodienst auf Ihrem PC oder Mac installiert haben. Um Sicherheit vor dem Bildschirm zu gewinnen, spielen Sie das Interview am besten per Videochat mit einer Vertrauensperson einmal durch. Schauen Sie sich an, wie Sie auf dem Bildschirm rüberkommen. Wirken Sie verkrampft und verbissen, oder authentisch und souverän? Sprechen Sie deutlich und flüssig? Wie verhalten Sie sich, wenn Ihr Gegenüber einen etwas längeren Monolog hält? Interessiert oder ungeduldig? Und vergessen Sie nicht, immer in die Kamera zu schauen! Auch beim Video-Interview sollten Sie Blickkontakt halten.
Das ist der große Vorteil des Online-Interviews, Sie können ihre Wirkung überprüfen und an sich arbeiten, bevor das wirkliche Vorstellungsgespräch stattfindet. Denken Sie auch hier an den Dresscode. Wählen Sie sich am besten fünf bis zehn Minuten vor dem Gespräch ein. Auch virtuell ist das Zuspätkommen ein No-Go. Wenn das Unternehmen keine Gesprächsregeln vorgibt, fragen Sie aktiv danach. Zum Beispiel: Sollen Zwischenfragen in den Chat geschrieben, per virtuellem Handzeichen angezeigt oder einfach zwischendurch im Gespräch gestellt werden?
Tipp für Unternehmen: Auch hier gilt, stellen Sie sicher, dass die Technik funktioniert. Informieren Sie die Bewerber:innen rechtzeitig, welchen Dienst Sie für die Videokonferenz nutzen. Sie wollen das Interview aufnehmen? Kein Problem. Das ist erlaubt – allerdings unter bestimmten Voraussetzungen. Sie müssen sich an die einschlägigen Datenschutzgesetze und -vorschriften halten. In Europa ist dies die Allgemeine Datenschutzverordnung (GDPR) und in den USA sind es die Richtlinien der Federal Trade Commission (FTC). Diese Vorschriften besagen, dass Sie die Zustimmung der Person, die aufgezeichnet wird, einholen müssen, bevor eine Aufzeichnung stattfindet. Sie müssen sich also vergewissern, dass die Bewerberin oder der Bewerber weiß, dass das Interview aufgezeichnet wird, und dass sie oder er mit der Aufzeichnung einverstanden ist. Außerdem sollten Sie den Kandidat:innen erklären, an wen die Aufnahme anschließend weitergegeben wird.
Ebenfalls vor dem Gespräch sollten Sie eine Person auswählen, die den Videocall moderiert, um das Gespräch zu lenken. Legen Sie außerdem fest, auf welche Art und Weise die Bewerberin oder der Bewerber Fragen stellen sollte (s. o.). Während des Interviews sollten Sie darauf achten, immer mit und nicht über die Kandidatin oder den Kandidaten zu sprechen. Es kommt nicht selten vor, dass die Unternehmensvertreter:innen sich während des Gesprächs länger untereinander austauschen. Das ist nicht nur sehr unhöflich, sondern wirft auch kein gutes Licht auf die Unternehmenskultur.
Die moderierende Person sollte die Gesprächsrunde beenden und der Kandidatin oder dem Kandidaten mitteilen, wie es im Bewerbungsprozess weitergeht. Sie sollte auch den Call schließen.
Dies waren nur drei schnelle Tipps für das nächste Bewerbungsgespräch, mehr Beratung gibt es von uns persönlich.
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