Veröffentlicht am 17.12.2025

Bayreuther Start-up sorgt für gehirngerechtes Lernen

Lebenslanges Lernen zählt zu den Schlüsselkompetenzen für persönliches Wachstum und beruflichen Erfolg. Lernen endet nicht nach Schule, Ausbildung oder Studium, sondern ist ein lebensbegleitender Prozess – auch in allen beruflichen Entwicklungsstufen. Damit jeder Mensch dieses Potenzial nutzt, ist es wichtig, dass der Lernprozess motivierend, alltagstauglich und nachhaltig ist.

Genau hier setzt das Sieger-Konzept des diesjährigen BVMW Unternehmerinnen Award 2025 Oberfranken in der Kategorie Start-up an. Eine Kategorie, die wir seit Initiierung des Awards, als Sponsor begleiten, um innovative Ideen in der Region zu fördern.

Im Anschluss an den Award haben wir uns mit Nancy Moser zum Interview getroffen, um mehr über die Lernen-lernen-Plattform und ihre Gründerin zu erfahren.

Titelbild: v.l. Gabriele Hohenener (Laudatorin 2025 und IHK Hauptgeschäftsführerin a.D.), Julia Kerkhoff (Nominierte der Startup-Kategorie 2025 und Geschäftsführerin der BefundKlar UG), Nancy Moser (Preisträgerin der Startup-Kategorie und Geschäftsführerin der OIM Lehrmittel und Verlags GmbH), Barbara Auer-Albrecht (Nominierte der Startup-Kategorie und Inhaberin von Weinbau Auer) ©Thorsten Ochs

Lesen Sie in diesem Artikel:

  • Vorstellung der Nominierten der Startup-Kategorie
  • Nancy Moser von OIM Lehrmittel und Verlags GmbH im Interview
  • Die Rolle der Wirtschaftsförderung Bayreuth
  • Weiterentwicklung als Franchise
  • Die Gewinnerinnen des BVMW Unternehmerinnen Award 2025 Oberfranken

Die Nominierten in der Startup-Kategorie

Insgesamt waren drei Unternehmerinnen in der Kategorie „Start-up-Gründerinnen“ nominiert: Julia Kerkhoff, BefundKlar UG (Bayreuth), Nancy Moser, OIM Lehrmittel und Verlags GmbH (Bayreuth), und Barbara Auer-Albrecht, Weinbau Auer (Unterhaid, Landkreis Bamberg).

Die gelernte Bäckereifachverkäuferin Barbara Auer-Albrecht zeigt mit Weinbau Auer, wie gut Tradition und Weiterentwicklung zusammenpassen. 2020 schloss sie erfolgreich ihre Winzerausbildung und die Weiterbildung zum Assistant Sommelière ab, um den Familienweinbau auszubauen. Seitdem veranstaltete Barbara Auer-Albrecht Weinwanderungen, verdoppelte die Anbaufläche, eröffnete eine eigene Vinothek und arbeitet an neuen Sorten. Ihren Winzerglühwein gibt es exklusiv auf dem Bamberger Weihnachtsmarkt.

Die Medizinstudentin Julia Kerkhoff schafft mit BefundKlar UG Orientierung in Momenten voller Unsicherheit, denn sie gibt Patient:innen mehr Klarheit durch verständliche und einfühlsame Erklärungen medizinischer Befunde. Beide Frauen überzeugten die Jury, sodass sie es auf die Nominiertenliste schafften, aber das Rennen machte schließlich Nancy Moser.

v.l. Gabriele Hohenener (Laudatorin 2025), Julia Kerkhoff, Florian Krasser (Erschaffer des Startup-Awards), Nancy Moser, Annette Wodzak-Littig (Patin des Startup-Awards), Barbara Auer-Albrecht und Bettina Angerer (Organisatorin des Awards) ©Thorsten Ochs

Wodzak.Littig Personalberatung: Wie fühlen Sie sich, liebe Nancy Moser, als Gewinnerin des Startup-Preises? Was bedeutet Ihnen der Unternehmerinnen Award?

Nancy Moser: Es freut mich sehr, dass unsere Arbeit wahrgenommen wird. Mein Team und ich sind mit viel Herzblut dabei und alle haben sich riesig mit mir gefreut. Schön, dass das auch von außen so gesehen wird. Das ist für uns eine wichtige Bestätigung. Viele unserer Ideen, wie zum Beispiel der Workshopraum, sind direkt aus dem Team entstanden.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Welches Konzept verbirgt sich hinter der OIM Lehrmittel und Verlags GmbH?

Nancy Moser: OIM steht für „Organization in Mind“. Die Übersetzung dafür ist Ordnung im Kopf. Unsere Überlegung war es, dieses Konzept zu internationalisieren. Neben der Vermittlung von Lerntechniken bedeutet Ordnung im Kopf auch, Themen wie Konfliktmanagement, Resilienz, Selbstmanagement und den Umgang mit Prokrastination zu fördern. Wir verbinden dabei Pädagogik und Psychologie. Viele Menschen suchen erst Hilfe, wenn es bereits „brennt“. Wir verstehen uns als Schnittstelle, die eingreift, sobald erste Probleme entstehen. Zum Beispiel unterstützen wir bereits Kinder mit ADHS und Autismus.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Wie ist die Idee entstanden und wie hat sie sich seitdem entwickelt?

Nancy Moser: Als Kind konnte niemand mit mir lernen, denn die Arbeitszeiten meiner Eltern ließen es nicht zu. Lange glaubte ich, nicht gut genug zu sein, blieb weit unter meinen Möglichkeiten. Erst viel später erkannte ich, was in mir steckt, und begann zu studieren. Viele Kinder erleben genau das. Es ist schade, dass sie ihr Potenzial nicht sehen. Eltern und Schulen können das nicht immer auffangen. Dadurch erkennen viele Menschen leider erst sehr spät, was möglich wäre und können diese Chancen dann nicht mehr ergreifen. Deshalb ist es wichtig, Potenziale frühzeitig zu fördern. Nicht nur in Schulen, sondern auch bei Erwachsenen. Gerade in der digitalen Welt setzen wir mit Mitarbeitenden bewusst auf echtes Erleben. Denn Lernen funktioniert nicht allein am Bildschirm. Nähe und Erfahrung machen den Unterschied.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Wie sieht eure Arbeit an den Schulen aus?

Nancy Moser: Wir haben eine feste Arbeitsgemeinschaft (AG) an unserer Pilotschule, der Grund- und Mittelschule in Neudrossenfeld. Mittlerweile betreuen wir mehrere Gruppen. In den AGs lernen die Schüler:innen Techniken zur Konzentration und zum effektiven Lernen. Ein wichtiger Bestandteil ist unsere Aufklärungsarbeit. Was bedeutet eigentlich „konzentrieren“? Um das zu verdeutlichen, nutzen wir zum Beispiel den „Taschenlampenblick“, der erklärt, was Erwachsene meinen, wenn sie von Konzentration sprechen.

Außerdem zeigen wir spezielle Spiele und stehen in engem Austausch mit den Lehrkräften. Wir haben bereits Vertretungsstunden übernommen und dabei gezeigt, wie Schüler:innen haptisch für ihren Englischtest lernen können. Mir ist wichtig, dass die Kinder schnelle Erfolgserlebnisse haben. Darüber hinaus durften wir auch schon Lehrerfortbildungen über FIBS durchführen. Dabei klären wir auf, dass die Theorie fester Lerntypen ein Mythos ist. Stattdessen vermitteln wir, welche Methoden je nach Situation und Inhalt im Unterricht sinnvoll sind. Die Vorstellung fester Lerntypen ist weit verbreitet, obwohl sie wissenschaftlich längst widerlegt ist.

Auch an Schulen in Ebermannstadt und Gößweinstein haben wir Workshops für Schüler:innen durchgeführt. Dort zeigen wir, wie sich Vokabeln schnell und effektiv merken lassen. Die Kinder wollen sofort spüren, dass Lernen funktioniert und solche Momente sind großartig. Das ist gehirngerechtes Lernen. Lernen bedeutet so viel mehr und kann Spaß machen.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Sie setzen Eye-Tracking für den Lernfortschritt ein? Was bedeutet das?

Nancy Moser: Mit Eye-Tracking lässt sich das Leseverhalten präzise analysieren. Bei einer Lese-Rechtschreibschwäche kann sichtbar werden, warum ein Kind langsam liest. Liegt es an Ablenkung oder an der Konzentration? Muss das Kind zu bestimmten Silben zurückspringen? Beim Rechnen funktioniert das genauso. Zählt es beim Lesen oder erkennt es Mengen? Die Blickbewegungen zeigen, wo genau die Schwierigkeiten liegen.

Nancy Moser mit dem Startup-Award in ihrem Workshop-Raum. ©Wodzak.Littig Personalberatung

Wodzak.Littig Personalberatung: Was ist der nächste Schritt?

Nancy Moser: Unser Ziel ist es, ein deutschlandweites Franchise aufzubauen. Aktuell sprechen wir erste Partner an, die gemeinsam mit uns dieses Konzept entwickeln. In Bayreuth testen wir derzeit, wie das Modell angenommen wird und welche Anforderungen die zukünftigen Franchisenehmer:innen haben, damit wir sie optimal ausbilden können. Der Job bietet eine hohe Flexibilität für Familien, da die Arbeitszeiten so gestaltet werden können, dass sie mit den Kita- und Schulzeiten der Kinder harmonieren.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Warum Bayreuth als Standort? Was gefällt Ihnen?

Nancy Moser: Ursprünglich komme ich aus Berlin und bin der Familie wegen nach Bayreuth gezogen. Für mich ist Bayreuth jedoch der ideale Ort, um ein Unternehmen zu gründen. Die Vernetzung und die Unterstützung bei Projekten sind hervorragend. Meine Ansprechpartner bei der Wirtschaftsförderung Bayreuth, Bernhard Sippel und Theresia Gremer, leisten großartige Arbeit. Meine Ideen werden wahrgenommen und ich werde aktiv in der Umsetzung unterstützt. Bayreuth ist groß genug, um vielfältige Möglichkeiten zu bieten, aber überschaubar genug, um schnell Kontakte zu knüpfen.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Wo kann man sich als Gründer:in hinwenden?

Nancy Moser: Von Anfang an stehe ich im Austausch mit Bernhard Sippel und Theresia Gremer von der Wirtschaftsförderung. Sie haben mir auch die Büroräume im Start-up-Point vermittelt. Aus einer zunächst kleinen und eher abstrakten Idee wurde dank der frühen Unterstützung schnell ein konkretes Projekt. Ich wurde direkt ins Netzwerk aufgenommen und konnte bei „Feedback for Founders“ sogar pitchen, um wertvolle Tipps zu erhalten. Diese starke Unterstützung ist Gold wert, denn mit den Hinweisen kommt man Schritt für Schritt weiter. Auch die Universität Bayreuth bietet großartige Start-up-Veranstaltungen, die öffentlich zugänglich sind. Mein Tipp für Start-ups: Einfach teilnehmen! Gerade weil Bayreuth kurze Wege und eine Gemeinschaft hat, findet man schnell Anschluss und baut ein starkes Netzwerk auf.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Wir haben gesehen, dass Sie sich bei den Wirtschaftsjunioren engagieren. Warum sind sie dort aktiv und wofür setzen sie sich ein?

Nancy Moser: Die Wirtschaftsjunioren sind eine Vereinigung von Unternehmer:innen und Führungskräften. Ich habe die Ressortleitung für „Schule & Wirtschaft“ übernommen. Aktuell läuft beispielsweise der Wettbewerb Wirtschaftswissen im Wettbewerb (w³) für die 9. und 10. Klassen. Ziel ist es, Bayreuth als Wirtschaftsregion stärker ins Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler zu rücken. Beim Wirtschaftsquiz stellen die Schüler:innen ihr Wissen unter Beweis. Der Kreissieger qualifiziert sich für das Bundesfinale. Insgesamt nehmen sieben Schulen aus Bayreuth teil.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Was ist Ihre Vision für OIM? Wie soll sich das Projekt langfristig auf die Gesellschaft auswirken?

Nancy Moser: Wir wollen langfristig einen nachhaltigen Beitrag im Bildungsbereich leisten. Lernen soll nicht mehr als etwas Negatives wahrgenommen werden, sondern als Chance für persönliche und berufliche Entwicklung. Wir möchten ein tragfähiges Konzept entwickeln, das deutschlandweit und darüber hinaus Wirkung entfaltet. Dabei wollen wir nicht nur Schüler:innen, sondern auch Erwachsene stärken und begleiten. Unsere Firmierung enthält bewusst den Zusatz „Verlag“, da wir planen, eigene Bücher und Spiele zu veröffentlichen, um Bildung erlebbar und inspirierend zu gestalten.

 

Wodzak.Littig Personalberatung: Vielen Dank für das Gespräch!

v.l. Bettina Angerer (Verbandsbeauftragte des BVMW) mit den drei Preisträgerinnen: Britta Höfer (WALTEC GmbH), Nancy Moser (OIM Lehrmittel und Verlags GmbH) und Annegret Schnick (Gedikom GmbH) ©Thorsten Ochs

Die Gewinnerinnen des BVMW Unternehmerinnen Award 2025 Oberfranken

Am 18.11.2025 wurde zum vierten Mal der BVMW Unternehmerinnen Award Oberfranken im Kulturquartier in Bayreuth an drei erfolgreiche Frauen verliehen. Die drei Gewinnerinnen sind Nancy Moser, Geschäftsführerin von OIM Lehrmittel und Verlags GmbH in Bayreuth (Kategorie „Start-up-Unternehmerin des Jahres“), Britta Höfer, Geschäftsführerin von WALTEC Maschinen GmbH in Wilhelmsthal, Landkreis Kronach (Kategorie „Unternehmerin des Jahres“), und Annegret Schnick, Prokuristin der Gedikom GmbH in Bayreuth (Kategorie „Herzenspreis für die Frau im Unternehmen“).

In den letzten beiden Blogbeiträgen hat Annette Wodzak-Littig bereits geteilt, warum der Mittelstand von weiblichem Unternehmertum profitiert. Jetzt nachlesen für mehr Zahlen und Hintergründe: „Warum der Mittelstand Frauen an der Spitze braucht“ und „Zukunft braucht Gründerinnen: Warum Vielfalt entscheidet“

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